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Die Predigt von Cornelia Schlickeiser vom 17.10.2021 zum Anhören
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Die Predigt vom 17.10.2021 von Lektorin Cornelia Schlickeiser

 

1 Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre nahen, da du wirst sagen: »Sie gefallen mir nicht«; 2 ehe die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne finster werden und die Wolken wiederkommen nach dem Regen,  3 zur Zeit, wenn die Hüter des Hauses zittern und die Starken sich krümmen und müßig stehen die Müllerinnen, weil es so wenige geworden sind, wenn finster werden, die durch die Fenster sehen, 4 wenn die Türen an der Gasse sich schließen, dass die Stimme der Mühle leise wird und sie sich hebt, wie wenn ein Vogel singt, und alle Töchter des Gesanges sich neigen; 5 wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; – 6 ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt. 7 Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

 

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext mahnt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihrem Lebensweg Gott nicht zu vergessen.

Nüchtern schreibt Salomo über das Alter als Problem, als Belastung und Herausforderung. Wir lesen: „Es kommen schwere Tage und es nahen Jahre, da du wirst sagen: ‚Sie gefallen mir nicht.‘“ Er vergleicht das Alter mit dem Winterhalbjahr in Palästina, das im Gegensatz zum Sommer ungemütlich, kalt und regnerisch ist. Sonne, Mond und Sterne bleiben dann hinter dicken Wolken verborgen, und ein Regenschauer jagt den anderen. Das ist der Lebensabschnitt, „wenn die Hüter des Hauses zittern“: Die starken Arme, mit denen man früher gearbeitet und sich gegen Feinde verteidigt hat, sind schwach und zittrig geworden.  „Wenn die Starken sich krümmen“; gemeint sind die Beine, die schon unzählige Kilometer hinter sich gebracht haben; nun sind sie krumm geworden, die Kniegelenke schmerzen, und das Laufen fällt schwer.  „Wenn müßig stehen die Müllerinnen, weil es so wenige geworden sind“; gemeint sind die Zähne, von denen die meisten schon ausgefallen sind; der Rest ist kaum mehr in der Lage, feste Nahrung zu zerkleinern. (Da merken wir, dass wir im Zeitalter der Zahnprothese doch einen wesentlichen Vorteil haben gegenüber Salomo!)  „Wenn finster werden, die durch die Fenster sehen“; die Augen werden schwach und trübe.  Wenn man schlecht hört und die Stimme brüchig wird, „wenn die Türen an der Gasse sich schließen, dass die Stimme der Mühle leiser wird, und wenn sie sich hebt, wie wenn ein Vogel singt, und alle Töchter des Gesangs sich neigen.“ Klettern, Treppen steigen, wandern, in der Jugend ein Kinderspiel, ist auch nicht mehr drin: Man fürchtet sich jetzt vor Höhen, es wird einem unterwegs schwindlig. Ja, und dann kommt der Zeitpunkt, wo das Leben nur für die anderen weitergeht, wo es nur für die anderen wieder Frühling und Sommer wird: „Wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich wieder regt und die Kapernfrüchte aufbrechen“, aber der Sterbende muss für immer Abschied nehmen, er kann nicht mehr neue Tage und Jahre aus dem Brunnen der Zeit schöpfen. Der Strick reißt, die Schöpfgeräte zerbrechen, und die morsche Seilwinde zerfällt. Als Gott den Menschen schuf, hat er den Elementen der Erde seinen Geist eingeblasen, er hat dem toten Leib eine Seele gegeben. Im Sterben macht er das wieder rückgängig: „Der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat“, so formuliert es Salomo.

Aber ein ganz anderer Satz hatte beim Lesen des Predigttextes meine volle Aufmerksamkeit: Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallen mir nicht“

Es ist Oktober 2007. Eine junge Mutter, 31 Jahre alt. Steht im Foyer einer Therapie-Einrichtung weit weg von ihrem Zuhause. Koffer stehen neben ihr und sie trägt ihren 2jährigen Sohn auf dem Arm. Drei Monate sollen beide dort leben. Eine freundliche, aber resolute Dame kommt, begrüßt Mutter und Sohn, nimmt den Jungen aus dem Arm der Mutter und geht in die Kinderbetreuung des Hauses. So steht die junge Frau noch verlorener in der ihr fremden Umgebung, noch dazu geplagt von Heimweh. Ein Pfleger zeigt ihr das Zimmer und das ganze Haus. Sie wird einer Therapie-Gruppe zugeordnet. Auch sie dachte „Das gefällt mir nicht“-woran sie nicht denkt ist ihr Schöpfer. Aber sie hat böse Tage erlebt-die nichts mit Altersgebrechen zu tun haben, sondern mit einer Erkrankung. Die junge Mutter ist Alkoholikerin und wird in der Einrichtung lernen ohne Alkohol Leben zu können.

Wie kann so etwas nur passieren, fragt sich die Frau. In einer normalen Familie wuchs sie auf, mit fleißigen Eltern, drei Geschwistern, leben im Einfamilienhaus, jedes Jahr Urlaub. Schulzeit wunderbar, Konfirmandenzeit spannend, an der Konfirmation das erste Mal Kontakt mit Alkohol, dann immer wieder, gehörte ja doch dazu, machen doch die andern auch. Nach der Berufsausbildung heiratet sie, bekommt eine Tochter. Die Ehe zerbricht, in einer drauf folgenden Beziehung bekommt sie ihren Sohn. Die Beziehung ist geprägt von Alkohol und deren Auswirkungen.

Auch da dachte sie „Das gefällt mir nicht“……sie steckt mitten in den bösen Tagen.

Die Frau kann aber nicht mehr zurück, die Fesseln der Sucht haben sie im Griff. Es kommt, wie es kommen sollte: das Jugendamt steht vor der Tür. Die 10jährige Tochter kommt zu ihrem Vater, der 2jährige Sohn darf nicht bei ihr bleiben……und wieder denkt sie „das gefällt mir nicht“, sie will diese bösen Tage nicht mehr! Die junge Frau kämpft, für sich, für ihre Kinder, für ihr Leben. Aber sie denkt immer noch nicht an ihren Schöpfer.

Sie schafft den Absprung und beendet die Therapie erfolgreich. Der Vater ihres Sohnes schafft es auch eine Zeit lang ohne Alkohol zu leben. Aber nach der Geburt der jüngsten Tochter scheitert die Beziehung endgültig.

Nun haben wir in der Erzählung von bösen Tagen gehört und von einem guten Schluss. Was uns aber fehlt ist unser Schöpfer-wo bleibt der Glaube an Gott?

Da schauen wir nun wie Eltern von ihren Kindern positiv beeinflusst werden:

Die älteste Tochter der Frau befindet sich mitten in der Pubertät - schwarz gefärbtes Haar, dunkle Kleidung, Musik über Hass, Gewalt und Tod dringt aus ihrem Zimmer, Poster an den Wänden das man förmlich Depressionen bekommt, wenn man morgens die Augen öffnet. Und der Gesichtsausdruck des Mädchens vermittelt, dass es wohl das Elend der ganzen Welt auf den Schultern trägt. Der Sohn im Kindergarten ist der Meinung das es Gott nicht gibt und wir alle von Transformers beherrscht werden und die Jüngste hat eigentlich gar keine Meinung, weil sie eben noch so klein ist…….

Die Frau denkt wieder „das gefällt mir nicht“- eine Veränderung muss her. Gespräche mit Erzieherinnen im Kindergarten helfen schon beim Einstieg in das Leben mit Gott.

Plötzlich merkt sie das sie anfängt alles wie ein Schwamm aufzusaugen, wie ausgehungert sie war, dass sie ihren Kampf nicht allein führte, sondern Gott hat sie da durch getragen. Er war immer an ihrer Seite, sie sah und spürte Gott nicht.  Er wartete geduldig, bis sie ihn als Retter erkannte. Das ist Liebe, die Liebe Gottes zu uns Menschen.

Ob die Frau, wenn sie in der Jugend mehr auf Gott vertraut hätte, dieser Krankheitsweg erspart geblieben wäre, wissen wir nicht.

Aber ganz sicher glaube ich, dass dieser Weg nötig war, um die Person zu sein, die sie heute ist.

Heute lebt die Frau immer noch in dem Dorf, wo sie böse Tage erlebte, aber keiner zeigt mit dem Finger auf sie. Gerade das Gegenteil: sie fühlt sich zu Hause in diesem Ort, mit den Menschen der Gemeinde und sie schaut gar nicht wehmütig zurück, sondern sie freut sich auf heute und morgen.

Es hat sich eine lebensbejahende Einstellung zum Leben und zu ihren Mitmenschen entwickelt, die die Frau glücklich macht. Mit Gott an ihrer Seite kann kommen was will- sie lebt in der Überzeugung das alles gut wird.

Egal an welchen Ort sie geht-sie wird ihre Biografie mitnehmen.

Wenn also Salomo mahnt, dass wir Gott in der Jugend nicht vergessen dürfen, was ist mit der Frau aus der Erzählung?

Ich bin überzeugt das alle Menschen, egal in welchem Lebensalter und egal in welcher Situation, sich in Gottes Liebe und Güte ausruhen dürfen. Sie müssen nur suchen und erkennen.  Und gerade wenn Menschen tiefe Krisen erleben, wenden sie sich doch an Gott.

Die Frau von der ich erzählte, fand den Weg zu Gott in ihren mittleren Jahren und sie möchte diesen Weg weitergehen im Vertrauen auf Gott.

Und das weiß ich ganz genau, weil ich die Frau aus der Erzählung bin!

Ein Mutmachvers aus Josua 1 Vers 9:

 „Ja, ich sage es noch einmal: sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“

 

Amen


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Die Predigt vom 10.10. von Vikarin Alwine Schulze zum Anhören
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Die Predigt vom 10.10. von Vikarin Alwine Schulze

 

Sie ist Ende 60. Es war nicht alles leicht im Leben, sie musste sich oft durchkämpfen. Die Eltern konnten sie nicht immer gut unterstützen, sie hatten ja selber nicht viel gehabt. Die Eltern waren aus Königsberg geflüchtet, nur wenige Sachen hatten sie von dort mitnehmen können. Also hat sie ihr Leben selbst in die Hand genommen, hat sich durch die Ausbildung gekämpft, eine Arbeit angenommen und jahrzentelang treu und zuverlässig gearbeitet. Eine Familie gegründet hat sie, Kinder und Enkel versorgt. Das war nicht immer einfach, aber sie hat es auch gern gemacht. Als der Sohn dann krank wurde, war es besonders schwer. Aber auch das haben sie überstanden. Sie hat die Eltern gepflegt und den Haushalt gemacht. Zusammen mit dem Ehemann haben sie sich etwas aufgebaut. Ein eigenes Haus mit Garten.  - Letztes Jahr ist sie in Rente gegangen, und nun hat sie doch eigentlich ganz gut ausgesorgt. Durch den Beruf des Ehemannes konnten sie sich vor zwei Jahren auch ein neues Auto leisten. Gerade haben sie noch das Dach aufwendig reparieren lassen. Durch die hohen Ausgaben sind nun nicht mehr viel finanzielle Rücklagen da. Aber das wird schon, dachte sie.

 

Dass etwas mit dem Wetter nicht stimmt, das hat sie schon länger gemerkt. Dieser Sommer war nicht normal, erst plötzlich so heiß, und dann nur noch verregnet. Es hat richtig geschüttet, wochenlang. Gut, dass wir das Dach neu gemacht haben, dachte sie noch. Und dann eines nachts, ganz plötzlich: niemand hatte damit gerechnet. Es gab einen Knall. Die Nachbarn waren schon in Aufregung. Da sah sie das Wasser kommen. Unvorstellbar und auch kaum zu beschreiben. Eine riesige Welle, voll Schutt und Dreck kam da die Straße herunter. Sie konnten sich noch retten, sie und ihr Mann. Von jetzt auf gleich haben sie ihr Haus verlassen. Das, wofür sie jahrzehntelang gearbeitet haben, wo ihr ganzes Geld und auch ihre Versicherung fürs Alter drin lag- sie mussten es der Flut überlassen. Sie sind gerade noch so mit ihrem Leben davongekommen. Das Haus wurde zum Totalschaden. Nichts, wirklich gar nichts war mehr zu retten. Nicht einmal die kleine Kommode, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte- die Mutter irgendwie auf der Flucht transportieren konnte und dann hergebracht hat. So viele Erinnerungen hingen daran. Nichts ist geblieben. Auch das Auto ist ein Totalschaden. Und der Ehemann hat sogar den Ehering in der Flut verloren. Nichts Materielles ist geblieben. Und doch spürt sie, neben der Trauer und Klage, auch ein Stück Dankbarkeit. Immerhin, ihr Leben konnte gerettet werden. Und sie hat noch Hoffnung, dass dies nur eine Station des Lebens ist, und dass da noch eine bessere Zukunft auf sie wartet.

 

Liebe Gemeinde, diese Geschichte ist so oder so ähnlich diesen Sommer passiert, gar nicht weit von uns. Mit dem Auto von hier nicht einmal zwei Stunden entfernt ist der Landkreis Ahrweiler- dort erlebten Menschen eine so große Überschwemmung, die vielen das Hab und Gut, einigen sogar ihr Leben kostete. Was bleibt uns im Leben, wenn wir alles verlieren? Wenn das, was wir besitzen, verschwindet oder zerstört wird? Wenn uns kein Geld, kein Reichtum, nicht einmal ein Haus mehr bleiben? Das ist ein schweres Schicksal, das will ich nicht beschönigen. Und doch sagt Jesus, dass gerade sie es leichter haben, in das Himmelreich zu kommen. Den Reichen und Besitzenden, sagt er:

 

Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!

 

Jesus sagt sehr eindringlich: Es ist nicht der Reichtum, der uns selig macht. Es ist nicht das Geld, was uns eine Versicherung ist. Das alles können wir ablegen, und sind dann viel eher bereit, uns auf den Glauben und das Vertrauen in Gottes Liebe einzulassen. Es gibt immer wieder Umfragen, wo und unter welchen Lebensbedingungen Menschen am meisten Glück erfahren. Das sind nicht die Reichsten. Es lohnt sich nicht, auf die zu schauen, die mehr Besitz haben- vor Gott kommt es nicht auf das an, was wir an Materiellem angehäuft haben. Geld rettet keine Seele. Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist's, ins Reich Gottes zu kommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.

 

Aller Besitz ist nur geliehen. Wir kommen als Kinder ohne Besitz auf die Welt und gehen eines Tages auch ohne Besitz wieder. Vor Gott sind nicht die mehr wert, die mehr besitzen. Im Gegenteil. Und es ist auch nicht so, dass wer nur hart genug arbeitet, sein Leben selbst bestimmt und sich im Wohlstand einrichten kann. Es gibt genug Beispiele von Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben und trotzdem mit leeren Händen dastehen.

 

Vor ein paar Jahren, als ich noch in Halle an der Saale studiert habe, habe ich auch dort eine Überschwemmung erlebt. Der Fluss stieg über seine Ufer und hat einige Häuser überschwemmt. Ein Hausbesitzer, der davon betroffen war, erzählte mir: Die Menschen aus der Nachbarschaft helfen uns. Ich hatte eine anonyme Spende im Briefkasten, irgendjemand hat da an mich gedacht und mich unterstützt, gerade jetzt, wo ich es dringend brauchen kann.

 

Nicht der Besitz macht uns reich, sondern Mitgefühl für diejenigen, die in Not sind. Einen Schatz im Himmel wird haben, wem es nicht egal ist, was anderen geschieht; wer nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist, sondern auf Jesu Wort hört. Amen.