Aktuelles


Liebe Gemeinde,

die Kirchenvorstände bitten darum, die Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten, die jeweils vor den Eingängen zu den einzelnen Kirchen bzw. dem Dorfgemeinschaftshaus auf einem Plakat gut lesbar platziert sind. An dieser Stelle sei schon einmal darauf hingewiesen, dass  das Tragen eines medizinischen  Mund-/Nasenschutzes während der Gottesdienste nötig ist. 

Die analogen Gottesdienste finden statt, wenn der Inzidenzwert im Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht über 200 liegt.

Die Gottesdienste in Kirchvers finden momentan im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Die Predigt wird, sofern Pfarrer Hölscher, Vikarin Schulze oder Lektorin Schlickeiser den Gottesdienst feiern, weiterhin auf der Homepage als Audio- und Textdatei veröffentlicht. Sie wird immer nach den Gottesdiensten auf die Homepage gestellt.

 

Gottesdienste am 25.04.

Rodenhausen           09:30 Uhr (Vikarin Alwine Dorothea Schulze)

Kirchvers                    10:30 Uhr (Vikarin Alwine Dorothea Schulze)

 

Gottesdienste am 02.05.

Weipoltshausen       09:00 Uhr

Kirchvers                    10:30 Uhr

 

Gottesdienste am 09.05.

Rodenhausen           09:30 Uhr

Kirchvers                    10:30 Uhr


Der neue Konfikurs startet nach den Sommerferien.


Die Haushaltspläne 2020/21 für die Kirchengemeinden Kirchvers und Weipoltshausen sind von den Kirchenvorständen beschlossen worden. In der Zeit vom 19.04. bis 25.04. liegen Sie zur Einischtnahme für Gemeindeglieder im Pfarramt öffentlich aus.


Download
Die Predigt vom 18.04. von Pastorin Marianne Gorka, gesprochen von Lektorin Cornelia Schlickeiser
Predigt 18.04.m4a
MP3 Audio Datei 10.8 MB

Lesepredigt zum 18. April, Autorin Pastorin Marianne Gorka, Hildesheim

Zwei Damen auf einem Sektempfang. Die eine kühl und arrogant. Die andere freundlich lächelnd und sympathisch. Die Unterkühlte mustert die andere abfällig von oben bis unten und fragt herausfordernd: „Und, was machen sie so……beruflich?“                                                                               „Ich?“, fragt die andere. Augenblicklich läuft ein Film ab. Den Film der Unterkühlten können wir nur ahnen: Sie will zeigen, dass die andere nicht in ihrer Liga spielt. Sie will vorführen und blamieren. Der Film der anderen zeigt derweil, was sie alles ist: „Chauffeurin“ für Kind und Kegel. Köchin, die leichterhand mit liebevollem Frühstück, Pausenbroten und warmen Mahlzeiten versorgt. Mediatorin für die lieben Kleinen. Die Perle, die den Haushalt in Ordnung hält. Detektivin, die aufstöbert, was die anderen verloren haben. Krankenschwester, die Wunden versorgt und Tränen trocknet. Psychiaterin, zu der man sich gern auf die Couch schmeißt und sich geborgen fühlt. Kurz: Sie ist Mutter und Hausfrau.                                                                                                                                                               

„Ich…..“, sagt sie dann am Ende des Films: „Ich führe ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen.“

 

Vielleicht erinnert ihr euch an diese Werbung? Man kann zurecht kritisch hinterfragen, welches Frauenbild da propagiert wird. Die „moderne Familienmanagerin“ steht natürlich gern am Herd, putzt mit Freude den Dreck weg oder findet mit Vorliebe die Sachen, die andere verschludert haben. Die technischen Kobolde des Herstellers, für den da geworben wird, machen es ihr ja auch leicht. So ist sie mit links das geborene Mädchen für alles. Immer für die anderen da.

 

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?                                                                                       

 

Das Buch des Propheten Hesekiel führt uns in die letzten Jahre des Königreichs Juda. Im großen Nachbarstaat Babylon regiert König Nebukadnezar. Er will den ganzen Vorderen Orient unter seine Kontrolle bringen. Dagegen versuchen sich die kleinen Nachbarn zu wehren. Aber Nebukadnezar ist stärker. Er zwingt weite Teile des Landes und auch Jerusalem zur Kapitulation und lässt einen Großteil der gesellschaftlichen Oberschicht in die Verbannung führen, in das babylonische Exil.           Unter den Deportierten ist auch Hesekiel. Er wurde im Exil zum Propheten berufen und wirkt dort unter seinen Landsleuten. Zunächst wendet er sich gegen alle trügerische Hoffnung der Verbannten, sie könnten mit baldiger Heimkehr rechnen. Dann will er die Verzweifelten aufrichten und trösten und will sie auf das rettende Eingreifen Gottes vorbereiten. Hesekiel weiß: Gott ist frei in seinem Handeln. Gott ist der „ganz andere“. Er lässt sich nicht erbittern. Er handelt um seiner eigenen Ehre willen gnädig und nimmt sich seines Volkes an.

 

Offenbar zieht Hesekiel mit seinen Prophezeiungen viele Schaulustige an. Seine Auftritte ziehen an. Aber kaum sind sie vorbei, erlischt auch das Interesse an seiner Botschaft. Die Leute hören die Botschaft wohl, allein es fehlt an Taten, sie umzusetzen. Dem Schein nach suchen die Verbannten Gottes Weisung. Da geht man eben zum Propheten. Aber mit ihren Gedanken sind sie nur bei ihren eigenen Geschäften. Die anderen? Mir doch egal!                                                                                      

Hesekiel sieht sich mehr und mehr „im falschen Film“! was hier abläuft, ist nicht gut. Die schlimme Situation im Exil, sie ist wie sie ist. Aber dass den Führenden die eigenen Leute so gleichgültig sind, das geht gar nicht. Er muss ganz offensichtlich deutlicher werden. Er rechnet ab. Er spricht von „Hirten“. Gemeint sind die Könige. Hirte ist ein Ehrentitel.                                                                       

Hesekiel rechnet mit dem ganzen heuchlerischen Königtum und allen Oberschichtanführern ab, die sich nur um sich selber drehen, statt sich fürsorglich um die Menschen zu kümmern, für die sie da sein sollen. Und er spricht mit der Stimme Gottes: So wahr ich lebe: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind, weil sie keinen Hirten mehr haben und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragen, sondern sich nur selbst weideten, darum will ich an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen. Ich will meine Schafe erretten. Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen!                                                                                  

Der Fisch stinkt immer vom Kopf, sagt man. Genauso sieht Hesekiel das ganz offensichtlich auch. Weil die Führung versagt, ist das ganze Volk durcheinander und weiß nicht mehr, wohin es gehört oder auf wen es hören soll.

 

Da läuft vor meinem inneren Auge gerade ein ganz anderer Film ab, die Erinnerung an das reale Geschehen im Juni 2020: Mitten in der „Corona-Krise“ in Amerika. Weltweit haben die USA die meisten Corona-Erkrankten und mehr als 100.000 Tote. Damit nicht genug. In Minneapolis kommt George Floyd bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz ums Leben. Afroamerikaner. Gerade einmal 46 Jahre alt. Der Einsatz löst Proteste und Unruhen aus. Etliche Demonstrationen gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus fordern ihrerseits nur weitere Todesopfer. Und der Präsident? Demonstrativ geht er in die Kirche, posiert großspurig mit einer Bibel in der Hand, und weiß dabei kaum, wie man sie richtig in der Hand hält. Er inszeniert sich als großer Retter und „Herr der Lage“. Aber sein grotesker Auftritt spaltet die Gesellschaft nur weiter. Je düsterer die Lage, desto mehr stößt die Selbstbezogenheit des Präsidenten auf. Wehe den Hirten, die sich selbst weiden!       

 

Dann sehe ich uns hier zusammen im Gottesdienst. Stelle mir vor, wie wir danach im Gespräch sind. Da taucht er auf, der Prophet und mustert uns kritisch. Und er fragt: „Und, was machen Sie so-für Gott?“                                                                                                                                        

Spielen wir in seiner Liga? Sind wir dann im richtigen Film? Selbstkritisch müssen wir uns von Hesekiel fragen lassen, ob wir etwa auch zu denen gehören, die im Grunde nur halben Herzens hier sind, in der Gemeinde, im Gottesdienst. Ob wir nicht auch sonntags nur unsere „Show“ abziehen und dann wieder selbstverliebt unserer Wege gehen? Ob wir den Gottesdienst nicht auch eher als „Unterhaltung“ wahrnehmen, aber seine Weisung und seine Botschaft alltags ignorieren? Stärken wir das Schwache? Suchen wir das Verlorene? Heilen wir das Kranke, verbinden wir das Verwundete? Wirklich?                                                                                                                                                                 

Wie erfolgreich ist das christliche Unternehmen, in dem wir gemeinsam stehen und arbeiten? Die Frage geht hier nicht nur an die Ober-Hirten. Ja, sie tragen Verantwortung und es zeigt vielleicht eine gewisse Führungsschwäche, wenn die Fragen nicht klar mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Aber im christlichen Glauben steht jede und jeder auch für sich selbst in der Verantwortung. Dazu sind wir alle miteinander mündig und bevollmächtigt. Dafür gibt uns Gott Tag für Tag sein Wort und schenkt uns seinen Segen.                                                                                                                          

Denn er ist der gute Hirte, der sich seiner Herde annimmt und sie führt, dorthin, wo es gute Weiden gibt, in den Tälern und an allen Plätzen. Und wenn wir uns dabei verletzen, wird er uns verbinden. Wenn wir uns auf dem Weg verirren, wird er uns suchen. Wenn unsere Kräfte nachlassen, wird er uns stärken. Und die stark sind, wird er behüten.                                                                                          

Alles, weil wir Gottes Schäflein sind, seine Herde, die er liebt und die er braucht. In allen Teilen des Landes, in allen Teilen der Welt, alle seine Menschenkinder. Darum hört des Herrn Wort! Wie ein Hirte seine Schafe sucht, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren, will sie führen und weiden.                                                                               

Der gute Hirte bugsiert nicht einfach von A nach B, er führt. Und geht selber dabei immer hinter seiner Herde. Wegweisend durch Rückendeckung.                                                                                       

Gott findet, was verloren schien. Er sorgt und nährt seine Lieben, von morgens früh bis abends spät. Er sieht unseren Streit und unsere Kämpfe und stiftet zur Versöhnung an. Er schwingt den Besen, wenn wir beim Hausputz unserer Seelen einmal so richtig durchfegen wollen. Gott nimmt dich fest in seine Arme, wiegt dich auf dem Schoß. Er vermag zu trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Du Menschenkind, weissage gegen alle selbstverliebten und verführerischen Hirten da draußen. Lass dich nicht von denen verleiten, die sich nur selbst und selbstverliebt zur Schau stellen. Nimm du deine Verantwortung wahr, schaue auf die anderen und kümmere dich um sie, wenn es nötig ist. Lass dir selber helfen, wenn du allein nicht weiterkommst. Nur zusammen sind wir stark. Als Menschen, die Gottes Geist in sich tragen, die seine Rechte halten und ihm folgen, dem guten Hirten. Denn wir sollen seine Herde sein, sein Volk, das er sicher durch die Zeit führt. Und er will unser Hirte sein. Und zusammen, mit Gott im Rücken, können wir Verirrte zurückbringen, Verwundete verbinden, Schwache stärken und was stark ist, behüten.                                                                                                  

Wie wir das machen? Ganz einfach:  Als Teil in einem sehr erfolgreichen, weltumspannenden Familienunternehmen!

Amen.