Aktuelles


Liebe Gemeinde,

die Kirchenvorstände bitten darum, die Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten, die jeweils vor den Eingängen zu den einzelnen Kirchen bzw. dem Dorfgemeinschaftshaus auf einem Plakat gut lesbar platziert sind. An dieser Stelle sei schon einmal darauf hingewiesen, dass  das Tragen eines medizinischen  Mund-/Nasenschutzes während der Gottesdienste nötig ist. Die Gottesdienste in Kirchvers finden auf der Kirchwiese vor der Kirche, bei Regen entfällt der Gottesdienst in Kirchvers.

Die Predigt wird, sofern Pfarrer Hölscher, Vikarin Schulze oder Lektorin Schlickeiser den Gottesdienst feiern, weiterhin auf der Homepage als Audio- und Textdatei veröffentlicht. Sie wird immer nach den Gottesdiensten auf die Homepage gestellt.

 

Gottesdienste am 18.07.

Weipoltshausen      09:00 Uhr

Kirchvers                   10:30 Uhr

 

Gottesdienste am 25.07.

Rodenhausen          09:30 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickeiser)

Kirchvers                   10:30 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickeiser)

 

Gottesdienste am 01.08.

Weipoltshausen      09:00 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickeiser)

Kirchvers                   10:30 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickesier)

 

Gottesdienste am 08.08.

Rollshausen             09:30 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickeiser)

Kirchvers                   10:30 Uhr (Lektorin Cornelia Schlickesier)

 

Gottesdienste am 15.08.

Weipoltshausen      09:00 Uhr

Kirchvers                   10:30 Uhr

 

Gottesdienste am 22.08.

Rodenhausen           09:30 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

Kirchvers                   10:30 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

 

Gottesdienst am 29.08.

Kirchvers                   10:30 Uhr (Feier der Jubelkonfirmationen)


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Die Predigt vom 18. Juli zum Anhören
Predigt vom 18. Juli.m4a
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Predigt vom 18. Juli (7. Sonntag nach Trinitatis)

 

Der gibt sogar sein letztes Hemd, sagen wir, wenn ein Mensch aufopferungsvoll alles mit anderen Menschen teilt. Wobei „teilt“ nicht mal passend ist, denn wer sein letztes Hemd für einen anderen gibt, der teilt nicht, da er selbst ja anschließend nichts mehr hat.

Wir kennen vielleicht Menschen, die so sind: die wirklich ihr letztes Hemd für einen anderen geben würden.

In der Lesung heute haben wir von einer Frau gehört, die noch mehr gibt als ihr letztes Hemd. Ihr letztes Essen gibt sie her, diese Witwe, für den Propheten Elia. Dem sie auf seine Bitte nach etwas zu Essen antwortet: „Ich haben keinen Bissen mehr, nur noch eine Hand voll Mehl im Topf und ein paar Tropfen Öl im Krug. Ich lese gerade ein paar Holzstücke auf und will mir und meinem Sohn die letzte Mahlzeit bereiten. Dann müssen wir sterben.“

 

Liebe Gemeinde,

viel weniger geht kaum. Viel weniger kann man nicht mehr haben als diese Frau es hat. Sie und ihr Sohn sind dem Hungerstod nah und dann steht da dieser eigenartige Mann vor ihr und fordert sie auf:

„Geh heim, und tu was du vorhast. Aber backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot und bring es zu mir heraus. Den Rest kannst du dann für dich und deinen Sohn zubereiten.“

„Sag mal, geht’s noch?“, wäre eine nicht ungewöhnliche Frage, die sie diesem Fremden entgegenbringen könnte. „Sag mal, geht’s noch, dass du von mir verlangst, erstmal dir etwas zu Essen zu machen, bevor ich meinen Sohn und mich selbst versorge? Was bist du denn für einer? Ich kenn dich ja nicht mal.“

Das wäre doch nicht ungewöhnlich. Das wäre ja sogar angebracht auf diese Unverschämtheit von Elia hin, der vor dem Kind der Frau etwas zu essen haben möchte. Den Rest könne sie dann noch für sich und ihren Sohn zubereiten. Den Rest von dem eh nicht viel vorhanden. Sozusagen den Rest vom Rest. Da es aber heute nicht um Unverschämtheiten und um potenziell unverschämte Menschen gehen soll, gibt Elia der Frau noch etwas mit auf den Weg:

"Hab keine Angst, denn der Herr, der Gott Israels, hat versprochen: Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse."

Wie würden Sie darauf reagieren? Ich würde vermutlich denken: Der kann mir ja viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Und mit einem leeren Magen ist der Tag vermutlich gefühlt besonders lang.

Wieso sollte ich einem dahergelaufenen, mir fremden Menschen so etwas glauben? Wenn das Kind zu Hause sitzt und man nicht weiß, wie es satt zu kriegen ist.

"Hab keine Angst, denn der Herr, der Gott Israels, hat versprochen: Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse."

Ein schönes Versprechen. Zweifelsohne. Aber würde ich dem noch glauben, wenn ich kaum noch was zu Essen hätte?

Würde dem eine Mutter glauben, wenn das Kind kurz vorm Verhungern ist.

Kurz vorm Verhungern ist bei uns in Deutschland Gott sei Dank in der Regel niemand. Aber Sorgen werden sich gemacht. Auch um das Kind oder die Kinder, die zu Hause sitzen. Zwar nicht kurz vorm Hungerstod, aber auch ab und an mit Problemen. Mit Schwierigkeiten. Krankheiten. Verhalten, das Eltern bewegt und beschäftigt. Wo häufig viel versucht wird, um etwas zu ändern. Zu bessern.

Die Worte von Elia sind auch heute gut zu gebrauchen: „Hab keine Angst“ - für Mütter, für Kinder, für Väter, für Omas und Opas. Für alle Menschen. „Hab keine Angst“, hören wir mit unseren Ängsten. „Hab keine Angst“ klingt aber zugleich auch eigenartig, wenn wir die Bilder von der Überschwemmungen in unseren Nachbarbundesländern vor Augen haben. Wenn Menschen auf den Dächern ihrer Häuser auf Hilfe warten. Wenn Menschen, Familienangehörige, Nachbarn, Bekannte durch die Fluten umgekommen sind. Anders als im Predigttext wird dort nicht auf Regen gewartet, sondern ein Ende des Regens erhofft.

 

„Hab keine Angst“ hört die fast verhungerte Witwe mit den Sorgen um das Kind und der Sorge ums nackte Überleben.

Und dann? Dann geht sie tatsächlich ins Haus und tut das, um was Elia sie gebeten hat.

Schön blöd, könnte man meinen. Vielleicht sogar: ist ihr dieser wildfremde Mann, sind seine Befindlichkeiten ihr wichtiger als sie selbst, ja gar wichtiger als der eigene Sohn?

Andererseits: was hat sie noch groß zu verlieren? Sie selbst tritt ja vor die Tür, um ein paar Holzstücke zu holen und sich und ihrem Sohn das letzte Essen vorzubereiten.

„Dann müssen wir sterben“, sagt sie zu Elia und dann kommt der mit seinem Hunger und seinem „Backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot“. Dann kommt er mit seiner Aufforderung: „Hab keine Angst, denn Gott hat versprochen: Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse.“

„Denn Gott hat versprochen“ – dieser wildfremde, hungrige Mann berichtet dieser hungernden Witwe etwas von Gottes Versprechen. Und sie vertraut ihm. Sie vertraut Gott.

Wie ist das bei Ihnen mit dem Vertrauen? 

„Heut kann man keinem mehr vertrauen“, höre ich Menschen manchmal sagen. Weil sie zu oft enttäuscht wurden. Weil sie zu oft verletzt wurden. Weil sie zu viele schlechte Erfahrungen gemacht haben. Weil sie zu vieles gehört haben von Anderen und über Andere. „Heut kann man keinem mehr vertrauen.“

Kann man Gott denn vertrauen? Noch vertrauen? Oder zählt er auch dazu, zu diesem: „Heut kann man keinem mehr vertrauen.“

Der biblische Text heute führt uns zwei Menschen vor Augen, die vertrauen. Die, ja, fast blind vertrauen. Elia zum einen, der anfangs von Gott den Auftrag erhält, sich in Sicherheit zu bringen vor König Ahab, dem er eine dunkle Zukunft prophezeit hatte. Der von Gott aufgefordert wird, sich zu verstecken und das Versprechen erhält, von Raben Brot und Fleisch gebracht zu bekommen.

Von Raben, liebe Gemeinde. Das ist ja auch schon wieder so etwas. Wir kennen die Redewendung von den „Rabeneltern“, die darauf schließen lässt, unter welchem Ruf Raben bis heute teils stehen. Ausgewiefte Tiere sind es, die sich gut Vorräte anlegen. Aber die sicherlich nicht gerne etwas davon abgeben mit ihrem Futterneid.

Elia vertraut Gott trotzdem und wird von Raben versorgt.

Anschließend soll er von den Raben zu einer selbst hungernden Witwe gehen, die ihn versorgen wird. Und Elia? Der macht auch das. Obwohl er sich vielleicht fragt:

Eben waren es noch die Raben und jetzt: Warum soll mich ausgerechnet eine arme Witwe ernähren?

Zum anderen führt uns der Text eben jene Witwe vor Augen. Ausgehungert. Am Abgrund. Mitsamt ihrem hungernden Kind vertraut sie diesem wildfremden Mann, der ihr von Gottes Versprechen berichtet.

Wie ist das mit unserem Vertrauen? Zu anderen Menschen? Und zu Gott? Bin ich bereit, Gottes Zusagen so zu vertrauen, wie Elia und die Witwe es tun?

Das Verhalten dieser Witwe lässt mich fragen: Bin ich soweit wie diese Frau? Hoffe und vertraue ich Gottes Verheißungen auch so sehr? Selbst und gerade in Zeiten der Not?

 

Liebe Gemeinde,

Elia und die Witwe sind Vorbilder für mich. Und irgendwie auch das hungernde Kind, das doch etwas mitbekommen muss davon, dass die Mutter das letzte Essen mit einem Wildfremden teilt, der da vor der Tür steht und etwas von Gottes Versprechen erzählt. Und das nichts sagt von wegen: „Mama, knall dem Kerl doch die Tür vor der Nase zu. Wir haben doch selbst nichts.“

Die drei machen es uns vor: Du kannst vertrauen. Anderen Menschen. Nicht blind, mit einem guten Gefühl. Und du kannst Gott vertrauen. Seinen Versprechungen. Seinen Verheißungen.

So wie die Witwe. So wie Elia. Die dann durch das Vertrauen an einem Tisch landen. Für einige Zeit essen sie an einem Tisch. Gemeinsam mit dem Sohn der Witwe.

Nicht das Misstrauen, liebe Gemeinde, sondern das Vertrauen bringt sie zu dieser Gemeinschaft. Das Teilen bringt sie zu dieser Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die gut tut. Eine Gemeinschaft, wie wir sie erleben können, wenn das Vertrauen größer ist als das Misstrauen. Eine Gemeinschaft, wie wir sie erleben können, wenn wir uns auf Gott verlassen. So wie von der Witwe später berichtet wird: Jetzt weiß ich, dass du ein Mann Gottes bist. Auf das Wort, das du im Namen des Herrn sprichst, ist Verlass.

Amen.