Aktuelles


Liebe Gemeinde,

die Kirchenvorstände bitten darum, die Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten, die jeweils vor den Eingängen zu den einzelnen Kirchen  gut lesbar platziert sind. Die Gottesdienste in Kirchvers finden momentan auf der Kirchwiese in Kirchvers statt, bei Regen in der Kirche (dort gilt die "3G Regel").

 

Gottesdienste am 19.09.

Weipoltshausen      09:00 Uhr

Kirchvers                   10:30 Uhr

Altenvers                  11:15 Uhr (mit Taufe, Prädikantin Ellbrechter)

 

Gottesdienste am 26.09.

Rodenhausen          09:30 Uhr (Erntedankgottesdienst mit Taufe unter der Linde vor der Kirche)

Kirchvers                   10:30 Uhr

 

Gottesdienste am 03.10. (Erntedankfest)

Weipoltshausen      09:00 Uhr

Kirchvers                   10:30 Uhr

 

Gottesdienste am 10.10.

Rollshausen             09:30 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

Kirchvers                   10:30 Uhr (Vikarin ALwine Schulze)

 


Bibelgesprächskreis am 28.09. um 19:00 Uhr in Weipoltshausen (Kirche).


Frauenkreis am 30.09. um 19:30 Uhr in Kirchvers (Pfarrsaal).


Kirchencafé am 06.10. um 14:30 Uhr in Weipoltshausen (Dorfgemeinschaftshaus). Anmeldungen bis 01.10. bei Sigrid Ganz unter Telefon 06426-5468 oder Pfr. Hölscher unter Teklefon  06426 oder per Mail pfarramt.kirchvers@ekkw.de

Es gilt die 3G Regel (geimpft, genesen, getestet).


Posaunenchor immer dienstags um 20:15 Uhr, Anfängerkurs um 19:00 Uhr in Weipoltshausen (Dorfgemeinschaftshaus).


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Die Predigt vom 19.09. zum Anhören
Predigt 16. n. Trin..m4a
MP3 Audio Datei 9.4 MB

Die Predigt vom 19. September (16. Sonntag nach Trinitatis)

 

„Und wie geht’s Ihnen?“, frage ich eine ältere Dame aus der Gemeinde, als wir uns zufällig auf der Straße treffen.

Sie erzählt ein bisschen etwas davon, dass die Augen nicht mehr so wollen wie früher. Dass die Knie oft schmerzen. Dass das mit dem Hören auch mal schlechter und mal besser ist. Dass bald mal wieder das Hörgerät kontrolliert werden muss. Und dann sagt sie:

„Aber wissen Sie, Herr Pfarrer, ich danke Gott jeden Morgen, dass ich noch aufstehen kann.“

 

Liebe Gemeinde,

so und ähnlich bekomme ich es immer wieder von Menschen berichtet. In der Regel von Menschen in schon deutlich fortgeschrittenem Alter, die schon so das eine oder andere körperliche Problem hinter sich haben. Oder damit zu tun haben, aber eben immerhin: Aufstehen können. Ohne Hilfe. Jeden Morgen aufs Neue. Auch wenn das vielleicht nicht mehr so flott geht wie mit Anfang 20. Man schon ein paar Momente länger braucht.

Wie gesagt: Zu 95 Prozent höre ich das von Menschen um die 80. Plus, minus ein paar Jahre.

Vor einiger Zeit schickte mir dann ein guter Freund eine Nachricht aufs Smartphone, in der er auch etwas davon schrieb, Gott zu danken, dass er den Tag beginnen konnte.

Das war für mich ungewohnt. Machte mich stutzig. Größere gesundheitliche Probleme beeinträchtigen ihn in der Regel nicht.

Diese Worte von ihm machten mich in einem positiven Sinn stutzig und sie fielen mir ein in Bezug auf den heutigen Predigttext. In den sogenannten Klageliedern im Alten Testament heißt es in Kapitel 3 u.a. (Klagelieder 3,22-26.31-32):

Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende, seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.

Ich sage: Der Herr ist mein Ein und Alles; darum setze ich meine Hoffnung auf ihn.

Der Herr ist gut zu denen, die nach ihm fragen, zu allen, die seine Nähe suchen. Darum ist es das Beste, zu schweigen und auf die Hilfe des Herrn zu warten.

Der Herr verstößt uns nicht für immer, sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

 

Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. So heißt es gleich zu Beginn. Das steht vor allem anderen.

Das klingt in gewisser Weise hart. Heftig. Für manche Ohren unangenehm. Gerade wenn man vielleicht körperlich topfit ist und so mitten im Leben steht. Da wollen viele nicht unbedingt hören, dass es zum einen Gottes Güte ist, wegen der wir leben und zum anderen, wegen der wir NOCH leben. Dass es eines Tages anders sein wird, klingt schon deutlich mit an. Dass das Leben auf Erden seine Grenzen und sein Ende hat.

Ist es aber nicht eine tiefe Wahrheit, die mit diesen klaren Worten ausgedrückt wird? Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben.

Ist es nicht ein Satz, der uns allen, egal welchen Alters, morgens öfters in den Sinn kommen könnte? Wenn der Wecker klingelt oder auch nicht klingelt, wir uns vielleicht nochmal umdrehen.

Wenn wir vielleicht mal gar keine Lust haben aufzustehen, weil die Aufgaben des Tages zu groß erscheinen. Weil vielleicht schon morgens der Körper sich bemerkbar macht. Weil keine Lust vorhanden ist, in die Schule zu gehen. Oder zur Arbeit. Oder wir es leid sind, den Tag wieder mal allein zu starten am Frühstückstisch.

Würden wir  alle nicht besser in den Tag gehen, wenn wir uns das allmorgendlich vergegenwärtigen: Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben.

Von Gottes Güte kommt es her, dass ich überhaupt lebe.

Das Leben, liebe Gemeinde, ist oft nicht verständlich und schon gar nicht ist es selbstverständlich!

Das hat die Pandemie uns doch nun wirklich gelehrt. Das von einem auf den anderen Tag alles ganz anders sein kann! Und dass wir eben wirklich nur sehr bedingt Dinge in den eigenen Händen haben. Schon gar nicht unser Leben!

Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende, seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.

 

Liebe Gemeinde,

diese Worte hat niemand geschrieben, der mit 30 im Lotto gewonnen, sich damit ein Haus am Meer geleistet hat und seitdem täglich in der Morgensonne am reichhaltigen Frühstücksbuffet verbringt. Diese Worte hat niemand geschrieben, der vormittags den ersten Cocktail schlürft und sich dabei überlegt, was er heute so Lust hat zu machen.

Diese Worte hat ein Mensch geschrieben, der die Zerstörung seiner Heimat, der die Einnahme Israels durch die Babylonier 586/587 vor Christus erlebt hat. Mitnichten ein Glückspilz würde ich mal sagen. Der aber eben, immerhin, am Leben ist.

Und: Der nicht nur miteinstimmt in all das Klagen neben ihm. Obwohl er das auch tut. Ausgiebig sogar. Vorher und hinterher.

Auch deshalb habe ich meine Probleme mit dem einen Satz im Text:

Darum ist es das Beste, zu schweigen und auf die Hilfe des Herrn zu warten.

Auf die Hilfe des Herrn zu warten, ja, das ist gut. Aber immer nur zu schweigen? Alles in sich hineinfressen? Das erscheint mir nicht plausibel. Manches muss einfach raus. Über manches sollte man nicht schweigen. Und der Verfasser dieser Worte tut es wie gesagt ja auch nicht. Der schweigt sich nicht aus. Der klagt, sogar ziemlich heftig, nur wenige Verse vorher kommt aus seinem Mund:

Er hat mich in den Staub gedrückt und mich gezwungen, Kies zu kauen. Das ruhige Leben hat er mir genommen; ich weiß nicht mehr, was Glück bedeutet.

Auch das muss einfach mal raus aus ihm. Diese Klagen. Die Bitterkeit. Der Ärger. Das Unglück. Und vielleicht gerade weil er sich damit Luft macht, kann er dann sagen:

Ich will mich an etwas anderes erinnern, damit meine Hoffnung wiederkommt: Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben.

Er verharrt also nicht im Klagen. Sondern setzt seine Hoffnung trotz allem weiterhin auf Gott.

Er mutiert nicht zum ewig nörgelnden Jammerlappen.

 

Fast verrückt erscheint er einigen, wenn er Sätze sagt wie:

Der Herr ist mein Ein und Alles.

Wer sagt schon so etwas? Damals? Heute?

„Du bist mein Ein und Alles“ – die Redewendung kennen wir bis heute. Aber mal ehrlich: Wer denkt dabei spontan an Gott?

Manche sagen solche Worte zu einem geliebten Menschen. Verziert mit dem Namen eines niedlichen Tieres. Hasi, oder ähnliches. Bevor die genannten Tiere bei manchen mit den Jahren immer größer werden.

Und wenn Sie heute nach Hause gehen und ihrem Partner/ihrer Partnerin erzählen: „Ich habe übrigens jemand Neues als mein Ein und Alles“ weiß ich auch nicht, mit was für Reaktionen sie so rechnen sollten.

Aber auch diese Worte, liebe Gemeinde, lenken uns daraufhin, diese große Wahrheit öfters ins Leben zu holen. Gott ist in dem Sinne „Ein und Alles“, weil wir ihm das Leben verdanken. Es seiner Güte verdanken. Nicht unserem Tun und Handeln.

Und mit diesem Ein und Alles, da können wir auch mal schimpfen, hadern und klagen. Der bei alldem aber die große Hoffnung bleibt, so wie es in unseren Versen heute ausgedrückt wird.

Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende, seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.

Diese Worte verinnerlichen. Sie vielleicht morgens mal lesen. Das braucht gar nicht viel Zeit.

Überhaupt uns vielleicht morgens mal häufiger Zeit nehmen zu danken dafür, dass wir noch leben - so wie es einige ja machen. So vieles wird morgens gemacht. Oft geht’s schon hektisch, stressig los. Aber warum nicht öfters danken fürs Leben?

Wie viele Menschen fahren zur Arbeit? Leisten. Schuften. Gucken auf das, was sie alles tun. Oftmals mehr als das, was ihnen gut tut. Auch da würde diese Erkenntnis auf den Boden der Tatsachen holen: Einzig und allein Gottes Güte verdanken wir das Leben. Verdanken wir, dass wir zur Schule gehen können, arbeiten könne, den Ruhestand genießen können. Was auch immer.

Und wenns schlecht läuft, wir Schule, Arbeit, Ruhestand nicht genießen können: dann nicht jammern, aber klagen. Auch das vor Gott bringen. Das entlastet.

Und dann in den Tag starten. Mit der Erkenntnis: Von Gottes Güte kommt es, dass wir noch leben. Sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende, seine Liebe ist jeden Morgen neu und seine Treue unfassbar groß.

Amen.