Aktuelles


Bauarbeiten im Pfarrsaal Kirchvers: Der Sanitärbereich im Gemeindehaus wird umfangreich saniert, dadurch gibt es seit dem 12. Januar Bauarbeiten. Wir freuen uns schon jetzt auf einen neuen, behindertengerechten Sanitärbereich für unser Gemeindehaus.


Für die Gottesdienste in der Kirche in Kirchvers gilt die 2G Regel. Ausgenommen davon sind Kinder unter 6 Jahren, Schüler/innen bis zum 18. Lebensjahr mit Testheft und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen (diese müssen einen aktuellen Negativtest vorlegen).

Für die Gottesdienste in Rodenhausen und Weipoltshausen gilt die 3G Regel.

Beim Negativtest darf ein Schnelltest nicht älter als 24 Stunden, ein PCR Test nicht älter als 48 Stunden sein).

Gottesdienste am 30.01.

Weipoltshausen     09:00 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

Kirchvers                  10:30 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

 

Gottesdienste am 06.02.

Weipoltshausen     09:30 Uhr

Kirchvers                  10:45 Uhr

 

Gottesdienste am 13.02.

Rollshausen            09:30 Uhr

Kirchvers                  10:45 Uhr

 

Gottesdienste am 20.02. (Gottesdienste zur Erinnerung an die rassistischen Anschläge in Hanau am 19.02.2020)

Weipoltshausen     09:30 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

Kirchvers                  10:45 Uhr (Vikarin Alwine Schulze)

 

Gottesdienste am 27.02.

Rodenhausen          09:30 Uhr

Kirchvers                  10:45 Uhr


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Predigt vom 23.01. (3. Sonntag nach Epiphanias) zum Anhören
Predigt 23.01..m4a
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Predigt vom 23. Januar (3. Sonntag nach Epiphanias)

Am Donnerstag habe ich im Fernsehen einen Film gesehen mit dem Titel: „Gott, du kannst ein A…sein“. (Das Hinterteil wird bei dem Titel eigentlich ganz ausgesprochen).

Als Pfarrer und wahrscheinlich nicht nur als Pfarrer, wird man da doch erstmal hellhörig, stutzig, vielleicht sind einige irritiert, bei dieser deutlichen Wortwahl.

Und zugleich kann man sie irgendwie nachvollziehen, wenn man den Film sieht, der von wahren Ereignissen inspiriert ist:

Ein Mädchen, Steffi, 16 Jahre jung, macht gerade ihren Schulabschluss, feiert diesen gebührend und möchte eine Ausbildung bei der Polizei beginnen. Zuvor soll es auf Abschlussklassenfahrt nach Paris gehen. Doch dann kommt alles anders: Steffi erfährt, dass sie Lungenkrebs und nicht mehr lange zu leben hat. Ihr Vater, ein Pfarrer, beginnt mit dem Glauben zu hadern. Ihre Mutter verbietet ihr, mit nach Paris zu fahren. Stattdessen trifft Steffi einen Jungen, mit dem sie abhaut und dann doch einen Trip voller Erlebnissen nach Paris startet.

„Ich weiß nicht ob ich das, was so schön war am meisten vermissen werde oder das, was ich nicht mehr geschafft habe“ sagt sie an einer Stelle. 296 Tage nach ihrer Diagnose stirbt sie.

 

Liebe Gemeinde,

emotional und zu Tränen rührend. Inspiriert, wie gesagt, von einer wahren Geschichte, die für den Film zwar etwas verändert wurde, aber das Wesentliche ist so geschehen, leider: Eine Jugendliche bekommt eine Krebsdignose und stirbt 296 Tage später.

 

Wie viel anders, mit dem Film im Kopf vielleicht gar erstmal komisch, klingt da der heutige Predigttext, in dem wir auch von einem todkranken Kind hören. In Johannes 4,46-54 heißt es:

In Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Damals lebte in Kafarnaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn war krank.

Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, ging er zu ihm und bat ihn: »Komm doch nach Kafarnaum und mach meinen Sohn gesund; er liegt im Sterben.«

Jesus sagte zu ihm: »Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr aufsehenerregende Wunder seht.«

Der Beamte bat ihn: »Herr, komm doch mit mir, bevor mein Kind stirbt!«

»Geh ruhig heim«, sagte Jesus zu ihm, »dein Sohn lebt!«

Er glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. Schon unterwegs kamen ihm seine Diener entgegen und berichteten: »Dein Sohn lebt!« Er fragte sie, seit wann es ihm besser gehe, und sie antworteten: »Gestern Mittag um ein Uhr hat das Fieber aufgehört.«

Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde geschehen war, als Jesus zu ihm sagte: »Dein Sohn lebt!« Er kam zum Glauben an Jesus, er und seine ganze Hausgemeinschaft.

Dieses zweite Wunderzeichen vollbrachte Jesus, als er von Judäa wieder nach Galiläa gekommen war.

 

Ein Happy End in dieser Geschichte. Das zweite Wunder Jesu im Johannesevangelium. Vom ersten haben wir letzte Woche in der Lesung gehört: Jesus macht auf einer Hochzeit Wasser zu Wein. Die Feier kann dadurch weitergehen.

Jetzt ein ganz anderes Setting: Fernab von feiernden, angetrunkenen Menschen, sucht ein verzweifelter Vater Jesus auf, weil sein Sohn im Sterben liegt.

Schon interessant, liebe Gemeinde, wie sehr allein diese zwei Wundererzählungen von kirchengemeindlichem Leben heutzutage sprechen: Denn da sind wir auch beim Feiern zusammen – wenn wir taufen, wenn wir Menschen trauen, wenn wir Jugendliche konfirmieren. Und bei einigen anderen Anlässen mehr.

Aber wir sind eben auch auf der anderen Seite des Lebens zusammen: Wenn wir von Menschen Abschied nehmen, wenn wir um Menschen trauern.

Ja, wenn wir vielleicht auf ein Wunder hoffen, so wie der Vater des todkranken Jungen in der heutigen Geschichte.

 

Jesus reagiert auf die Bitte des Vaters anders, als ich es eigentlich erwarten würde. Er sagt nicht direkt: „Komm, führ mich zu deinem Sohn“, sondern antwortet:

Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr aufsehenerregende Wunder seht.

Und tatsächlich berichtet der Text, nach der Heilung des Sohnes, folgendes:

Er (der Vater) kam zum Glauben an Jesus, er und seine ganze Hausgemeinschaft.

Dabei wird eins schnell übersehen, liebe Gemeinde: Der Vater vertraut Jesus schon, bevor er das Wunder sieht.

Denn es heißt ja:

Der Beamte bat ihn: »Herr, komm doch mit mir, bevor mein Kind stirbt!«

»Geh ruhig heim«, sagte Jesus zu ihm, »dein Sohn lebt!«

Er glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. 

 

Dieser Mann glaubt Jesus also bevor er das eigentliche Wunder sieht. Vertraut Jesus bevor er sieht, dass es seinem Sohn tatsächlich wieder besser geht.

Vielleicht würden manche sagen: Was für ein Dummkopf. Jetzt ist er schon zu Jesus gegangen, warum drängt er ihn da nicht notfalls mit ihm zu seinem Sohn zu kommen? Wartet, bis er es mit eigenen Augen sieht, dass sein Sohn wieder gesund ist? Geheilt ist? Er aber macht sich allein auf den Rückweg, ohne Jesus, er vertraut - scheinbar blind.

 

Liebe Gemeinde, ich habe mich gefragt: Wie ist das mit unserem Glauben? Mit unserem Vertrauen?

Wie ist das gar mit unserem Vertrauen, wenn wir auf ein Wunder hoffen, aber kein Wunder geschieht?

Erst dieser Tage hörte ich davon, dass ein Mann sagte, dessen Angehörige schon lange schwer krank ist:

Ich kann teils nicht mehr an den da oben glauben.

Das geht einem nah. 

Wie ist das bei uns? Wann fällt uns der Glaube schwer? Wann ist er uns schon schwer gefallen?

In welchen Lebenssituationen? Nach welchen Schicksalsschlägen?

Wie sehr haben sich manche von uns schon ein Wunder gewünscht und es ist nichts passiert.

„Wunder gibt es immer wieder“ heißt es in einem Lied. Das „immer wieder“ ist aber leider relativ selten, zumindest wenn es um das Wunder der Heilung von einer schweren Krankheit nach einer ärztlich aussichtslosen Krankheitsdiagnose geht.

Da fällt es manchmal mit dem Glauben und dem Vertrauen ziemlich schwer.

 

Die Jugendliche im Film findet ganz eigene Worte „Gott, du kannst ein A… sein“. Worte, die sie sich auf den Körper, unter die Haut, tätowieren lässt.

Irgendwie verständlich. Wenn man mit 16 hört, man wird bald sterben.

Wie sehr hätte man ihr ein Wunder gewünscht. So eins, wie es heute im Text beschrieben wird. Wie verständlich ist es, dass da mit Gott gehadert wird.

Und wie traurig ist es, wenn ich Kommentare dazu lesen muss, die von Gotteslästerung sprechen. Von vermeintlich frommen Christen so geschrieben. Die sich mehr über den Titel des Films und des zugrunde liegenden Buchs ärgern, als über die Geschichte dahinter. Darüber, dass eine Jugendliche viel zu früh ihr Leben verliert.

 

Der Titel und die Tätowierung drücken dabei für mich aber doch etwas ganz Anderes aus, nämlich eine Beziehung zu Gott: Ärger, Unverständnis, aber eben Kommunikation mit Gott. Auf ganz eigene Art und Weise. Mit der ganz eigenen Wortwahl einer todkranken Jugendlichen.

Ist das nicht fast ein Wunder? Ein ganz anderes Wunder?

Der echte Vater der verstorbenen Steffi sagte deshalb völlig zu Recht in einem Interview:

„Sie hat ja nicht ohne Grund gesagt, Gott du kannst ein A…sein…es hatte nichts damit zu tun, dass sie nicht geglaubt hat. Es hatte was damit zu tun, dass sie geglaubt hat.“

 

Ist es nicht ein Wunder, eine andere Art von Wunder, dass sie im Film dann das macht, was sie sich wünscht und ihr für den Moment guttut. Zu viel Tequila trinken, einen Trip nach Paris (zu dem es fernab des Films wohl leider nicht mehr kam). Das Leben nochmal in vollen Zügen genießen.

Das, was viele Menschen im Alltag doch immer wieder vergessen. Weil das Leben oft eben nicht als Wunder betrachtet wird, sondern viel zu oft als selbstverständlich.

Und ist es nicht eine andere Art von Wunder, dass der Vater von Steffi im echten Leben nicht in Trauer untergegangen ist, sondern einen Verein gegründet hat mit dem Namen „Ein Lächeln für dich“. Auf dem heimischen Hof ein Hospiz errichtet hat für kranke Kinder, Jugendliche, Erwachsene und deren Angehörige. Die teils von Tieren begleitet werden und Trost erfahren. So wie seine Tochter, die am Ende vor allem bei ihrer Familie und ihrem Pferd sein wollte. Und dort, im Stall, ganz nah beim Pferd, auch gestorben ist.

 

»Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr aufsehenerregende Wunder seht.« So sagt es Jesus, es klingt fast etwas resigniert, drückt aber ja aus was Tatsache ist: Der Glaube fällt manchmal verdammt schwer. Oft fällt uns das Vertrauen nicht so leicht wie dem Vater in der biblischen Geschichte heute. Und was wäre eigentlich mit seinem Glauben gewesen, wenn Jesus kein Wunder vollbracht hätte, wenn sein Sohn nicht wieder gesund geworden wäre?

Manchmal haben wir zu hadern. So wie der Vater von Steffi, der im Film in einer Kirche sitzt und zu seiner Frau sagt: Ich habe immer geglaubt, dass wir am Ende wieder alle zusammenkommen. Im Himmel oder wo auch immer…Glauben reicht mir nicht mehr…jetzt wo es mit Steffi so ist wie es ist, muss ich es wissen. Aber ich weiß es nicht.

Von seiner Frau wird er wenige Szenen vorher verzweifelt mit der Frage konfrontiert: Was sagst du zu den Leuten, wenn ein Kind stirbt? Ich will vor meinen Kindern sterben. Ist das zu viel verlangt?

 

Manches, liebe Gemeinde, ist kaum auszuhalten.

Manches ist auch für den Glauben kaum auszuhalten.

Vielleicht verstehen wir dabei die Wunder, die von Jesu berichtet werden als Zeichen dafür, wie es am Ende sein wird, wenn am Ende wieder alle zusammen kommen, im Himmel oder wo auch immer –  wie es Steffis Vater ausdrückt.

Ein Ort, an dem Freude und Fülle des Lebens sein werden – wenn wir an das Weinwunder denken.

Ein Leben ohne Krankheit, ohne Trauer, wenn wir an das Heilungswunder von heute denken.

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! So heißt es ja in Offenbarung 21,4.

Ich möchte schließen mit Worten von Steffi:

Wenn das klappen soll mit dem Leben, dann muss man es lieben. Und zwar nicht erst morgen, oder in einem Monat, sondern bedingungslos und sofort. Denn es kann ganz plötzlich vorbei sein.

Amen.